Nachruf

Das Kunstforum Seligenstadt hatte im ersten Halbjahr 2013 zwei schwerwiegende Verluste zu beklagen …

 

Trauer um Dr. Michael Bergmann



Das Kunstforum Seligenstadt e.V. trauert um Dr. Michael Bergmann. Mit ihm verliert der Verein einen engagierten Vorstandsvorsitzenden, von dessen juristischem Fachwissen er in hohem Maße profitierte. Noch mehr zu beklagen ist der Verlust eines guten Freundes.  

Schon bei der Gründung des Kunstforums im Jahr 1986 war Michael Bergmann mit dabei. Seine berufliche Karriere ließ ihm zunächst keine Zeit für ein weiteres Mitwirken im Verein. Unter anderem führte ihn sein Weg nach Iserlohn, wo er als Personalchef und Geschäftsführer eines namhaften Unternehmens tätig war; doch die Kontakte zu seiner Heimatstadt und auch zum Kunstforum rissen nie ab. Später als selbstständiger Anwalt in Offenbach tätig, war auch das Kunstforum wieder nah. 2009 übernahm er das Amt eines der drei  gleichberechtigten Vorstandsvorsitzenden.

Damit gewann das Kunstforum in seiner  Spitze einen versierten Juristen, der in freundlicher, verbindlicher Art und Weise auch kontroversen Diskussionen die Schärfe zu nehmen verstand und komplizierte Sachverhalte auf den Punkt brachte.  Michael Bergmann, „der Mann mit der Fliege“, war aber auch ein Mensch, der die Ärmel hochkrempelte und ganz handfest zupacken konnte.

Seine Persönlichkeit war stark geprägt durch den frühen Tod seines Vaters. Bereits als 15-jähriger und Ältester von acht Geschwistern musste er Verantwortung für seine Familie übernehmen. Hochbegabt, schloss er sein Jurastudium mit der Promotion ab. Höchsten Respekt verdient sein soziales Engagement. Das große Geldverdienen stand bei ihm nie im Vordergrund, ihm ging es in erster Linie um den Menschen in Not. So beriet er bereits als junger Anwalt Kriegsdienstverweigerer und setzte seine juristischen Fachkenntnisse auch gern für die Ratsuchenden beim „Weißen Ring“ ein. Engagiert zeigte sich Michael Bergmann zudem in der Katholischen Kirche und beim Seligenstädter Verein „Lichtblick“. Hier arbeitete er als 2. Vorsitzender mit.

Von all dem machte er nicht viel Aufhebens. Michael Bergmann war kein lauter Mensch, der sich in den Vordergrund drängte. Als Weinkenner und Genießer war er auch gerne ein stilvoller Gastgeber für seine Freunde. Seine Familienkontakte pflegte er trotz seines hohen Arbeitsaufkommens stets intensiv. Das Radeln war sein Hobby - auf einer Fahrradtour am 18. Mai ist Dr. Michael Bergmann verstorben. Seiner Frau Ulrike und den Kindern Milena und Jean-Michel gilt das Mitgefühl von Vorstand und Mitgliedern des Kunstforums.

Trauer um Gernot Walther



Das Kunstforum Seligenstadt e.V. trauert um Gernot Walther. Mit ihm verliert Seligenstadt einen ideenreichen  Gestalter einer facettenreichen kulturellen Landschaft. Der gebürtige Mannheimer lebte mit seiner Frau Bärbel seit 2002 in Seligenstadt und engagierte sich bald mit großer fachlichen Kompetenz im Förderverein Altes Haus – Galerie Kunstforum, im Verein Lebenswerte Seligenstädter Altstadt und sechs Jahre als Vorsitzender des Kunstforums Seligenstadt. Als Architekt hat er sich kenntnisreich für die Belange des Alten Hauses  aus dem Jahr 1327  in der Bedeutung als museales Gebäude wie auch als Galerie für Gegenwartskunst eingesetzt.

Sowohl auf der Bühne wie auch im vielfältigen administrativen Bereich des Kulturbetriebes war er mit Leidenschaft zu Hause. Der Kulturszene in Buchschlag verlieh er als Vorstandsmitglied im Kulturellen Förderkreis Buchschlag seit dessen Gründung 1975 wesentliche Impulse.

Als Akteur in seinem 52-jährigen Bühnenleben verkörperte er überzeugend jeden Rollentypus. Bereits Anfang der 1960-er Jahre gastierte er mit dem Ensemble Frankfurter Spielkreis mit „Biedermann und die Brandstifter“ (Max Frisch) in Berlin. 1974 trat er in Dreieich dem noch jungen Kabarettensemble Hengstbachbrettl bei, aus dem 1980 die Stachelbären wurden, eine Kabarettgruppe, die mehrfach stets vor ausverkauftem Haus im Seligenstädter Riesen auftrat. Die Stachelbären, denen Walther bis zu deren Ende 30 Jahre angehörte, charakterisierten ihn mit den Worten „Gernot war unser Dichter, Denker, Texter, Komponist, Zeichner, Tüftler, Herz und Motor. Kunst, Kultur, Musik, Architektur – Gernot hatte viele Facetten und Interessen.“

Im Theaterensemble Kunstforum war er eine integrierende  Kraft und ein brillanter Schauspieler. Unvergessen seine Rollen im „Fröhlichen Weinberg“, im Zwei-Personen-Stück

„Quiz-Show“ gemeinsam mit Claus Holstein, in „Lysistrata“  und der Revue „Liebe und andere Grausamkeiten“ jeweils an der Seite der großartigen Francoise Gessler.

Als sich am 4. November 2012 der Theatervorhang im Riesen zum letzen Mal schloss, ahnte niemand, dass es für Gernot Walther – hier in der Rolle des „Romeo“ - der letzte Vorhang sein sollte. Am 27. Januar 2013 ist Gernot Walther im Alter von 73 Jahren einer schweren Krankheit erlegen.