Historie des Kunstforums Seligenstadt e. V.

Mitte der 1980er Jahre beschränkten sich kulturelle Veranstaltungen in Seligenstadt auf einige klassische Konzerte, durchgeführt vom Kulturring Seligenstadt und auf Ausstellungen, Kleinkunst- und Musikveranstaltungen in der Galerie „Kunsthof Klosterbrühl“. Die von Anna-Maria und Raimund Wurzel im Jahr 1982 gegründete Galerie in der Peterstraße wurde aber aus wirtschaftlichen Gründen mit Ablauf des Jahres 1986 aufgegeben.

Um eine Reduzierung des Kulturangebotes in Seligenstadt zu verhindern, fanden sich etliche kulturinteressierte Bürger zusammen, um einen Verein zu gründen, der ein breites Spektrum kultureller Veranstaltungen sicherstellen sollte Als wesentliche Starthilfe stellte Raimund Wurzel 1987 seine bisherige Galerie dem Kunstforum für Ausstellungen und ein Kleinkunstprogramm mietfrei zur Verfügung.

Etwa 30 Mitglieder beschlossen in der Gründungsversammlung am 3. Dezember 1986 eine Vereinssatzung für ein kulturelles Angebot, das von seinem Umfang her nur ein personell wie finanziell entsprechend ausgestattetes Kulturamt realisieren kann. Das Vereinskonzept der Arbeitskreise (Galerie, Theater, Kleinkunst) und das starke Engagement der Anfangsmannschaft um Claus Holstein als Vorsitzender, Hildegard und Eckhard Redmann sowie dem bekannten Seligenstädter Chorleiter Hubert Reuter bildete die Grundlage zum lang anhaltenden Erfolg und positiven Wirken des Vereins.

Sonderstellung erobert

Die umfangreiche Zielsetzung des Vereins rief bei vielen Skepsis hervor, aber bis heute  nimmt das Kunstforum unter den kulturell wirkenden Vereinen eine Sonderstellung ein. Von Autorenlesungen, Vorträgen, Workshops, einem weiten Spektrum von Kleinkunstveran- staltungen, Theater in Fremd- und Eigeninszenierung über Galerie- und Freiluftausstellungen bis hin zu Großkonzerten, mehrtägigen Festivals, Kunstreisen, dem Erwerb von Kunstwerken für die Seligenstädter Öffentlichkeit und natürlich auch Veranstaltungen für Kinder reicht das Angebot.

Jedes Vereinsmitglied kann mitgestalten

Die einjährige Mietfreiheit in der Galerie „Kunsthof Klosterbrühl“, der Erlös eines großen Sommerfestes im ersten Jahr, durchgeführt mit der Unterstützung von Mitgliedern anderer Vereine und der Großzügigkeit von Künstlern, die ihre Gage den Einnahmen anpassten, schufen  die Basis für einen Senkrechtstart des Vereines. Ein wesentlichen Teil der Programmvorschläge und deren Durchführung liegt bei Arbeitsgemeinschaften für die verschiedenen Sparten, die für alle Mitglieder offen sind. Die Sprecher dieser Gruppen nehmen an den Vorstandssitzungen teil. Somit ist eine breite Mitgestaltung für die Vereinsmitglieder erwünscht und gegeben.

Mit den zuständigen Behörden der DDR wurde in den 80-er Jahren vergeblich seitens des Kunstforums um die Reise von Künstlern nach Seligenstadt gerungen. Dafür hatten dann die geschaffenen Künstlerkontakte gleich nach der Wiedervereinigung zur Folge, dass Seligenstadt für einige Künstler die erste Anlaufstelle im Westen wurde.

Die langjährigen engen Kontakte zu dem polnischen Bildhauer Maksymilian Biskupski führten zu der Partnerschaft zwischen dem Kreis Offenbach und dem polnischen Kreis Rodomsko, in deren Folge hochrangige Politiker, u. a. der einflussreiche  Botschafter Polens in Bonn, Janusz Reiter, nach Seligenstadt kamen.

Theaterensemble-Premiere mit „Missverständnis“

Bereits im ersten Jahr (1987) gründete Sweder von dem Bussche, einst Schauspielschüler am Max-Reinhard-Seminar in Wien und Profischauspieler unter dem Namen Alexander Diersberg, das Theaterensemble Kunstforum, das 1988 zur Einweihung des Riesensaales mit Albert Camus „Missverständnis“ Premiere hatte. Acht Regisseure / Regisseurinnen haben für bisher 28 Inszenierungen gesorgt, wobei Petra Mathein in der Ära von 1994 bis 2009 allein in 10 Inszenierungen Regie führte, darunter „Der fröhliche Weinberg“, bei dem trotz sechs Veranstaltungen noch viele Nachfragen nicht erfüllt werden konnten und „Nathan der Weise“, der von vielen Schulklassen aus der Region besucht wurde. Seit 2011 ist die Kulturpreisträgerin des Kreises Offenbach Tanja Garlt Regisseurin des Theaterensembles.

Beliebte sommerliche Freiluftausstellungen

Eine Kontinuität seit 1987 haben auch die sommerlichen Freiluftausstellungen im Außenbereich der ehemaligen Benediktiner-Abtei. Von den bisher 19 Freiluftausstellungen wurden allein 16 Ausstellungen von Annemarie Pötzelberger kuratiert, die viele international anerkannte Künstler und Künstlerinnen nach Seligenstadt holte. Sie erfreuen sich breiter öffentlicher Aufmerksamkeit.

Kunstwerke für die Stadt

Eine gute Tradition hat der Erwerb von Kunstwerken für Seligenstadt, so

  • 1991 die Skulptur „Omega“ von Wolfgang Bier, Standort Park der Asklepiosklinik,
  • 1996 die Skulptur „Adam und Eva“ von Stephan Balkenhol, Standort Äußere Fensternische der Basilika-Sakristei,
  • 1999 Skulptur „Christus aller Opfer“ von Maksymilian Biskupski, Standort vor der Kirche St. Marien.
  • 2000 Chagall-Grafik „Bezalel“, Standort St. Josefshaus in Seligenstadt
  • 2003 Skulptur „Schiffsbrücke“ von Claus Bury, Standort Mainufer Seligenstadt / Ortsteil Klein-Welzheim
  • 2012 Skulptur „We are saved“ von Ingrid Hornef, Standort evangelische Kirche.

Seligenstädter Jazztage und Jazz im Schalander

Seit 1988 führt das Kunstforum die „Seligenstädter Jazztage“durch, zunächst jährlich am Palatium in der idyllischen Atmosphäre des Mainufers als open-Air-Veranstaltung. In den Jahren 2010 und 2012 feierte man die Jazztage unter dem Glasdach der Gewächshäuser der Gärtnerei Löwer, umrahmt von Grün und Blütenpracht.

1992 übernahm Eckhard Redmann den Vorsitz im Kunstforum, gleichzeitig wurde der Vorstand durch einen 2. stellvertretenden Vorsitzenden, einen Rechnungsführer und durch die Trennung von Schriftführer und Pressesprecher um insgesamt drei Personen erweitert, was zu arbeitsmäßigen Entlastungen innerhalb des Vorstandes führte.

1995 entstand weitgehend auf Initiative von Friedhelm Dötsch die bis heute erfolgreich Veranstaltungsreihe „Jazz im Schalander“. Seither wird der Gewölbekeller der Brauerei Glaab großzügig und mietfrei dem Kunstforum für verschiedene Veranstaltungen zur Verfügung gestellt.

Von 1998 bis 2005 war Doris Lehmann-Bohn Vorsitzende des Kunstforums.

1999 verlieh die Stadt Seligenstadt  den Kulturpreis an Eckhard Redmann und das Kunstforum erhielt 2005 den Kulturpreis des Kreises Offenbach zu gleichen Teilen mit dem Alternativen Zentrum Rödermark.

Gegenwartskunst im Alten Haus von 1327

Seit April 1988 erhielt das Kunstforum von der Stadt kostenlos 3 Räume im „Alten Haus von1327“ als Galerie gestellt. Später wurde die Zahl der Räume auf 5 erhöht und 2004 konnte das Kunstforum Seligenstadt mit insgesamt 10 Ausstellungsräumen das gesamte historische Gebäude als Galerie benutzen. Gleichzeitig wurde damit ein museales Gebäude der Öffentlichkeit präsentiert, d. h. neben der Vermittlung von Gegenwartskunst konnte ein Zeugnis der Profan-Architektur des 14. Jahrhunderts präsentiert werden. Ein großer Gewinn für die Ausstellungsaktivitäten des Kunstforums, gleichzeitig stellte sachlich nicht nachvollziehbar die Stadt alle bisherigen Zahlungen für die Galerie ein, so dass der Ausstellungsbetrieb zu scheitern drohte.

Abhilfe schaffte der 2004 gegründete „Förderverein Altes Haus Galerie Kunstforum“, dessen 1. Vorsitzende im vierköpfigen Vorstand Heike Knecht wurde.

Nach einer Satzungsänderung wurden 2005 mit Dr. Rainer Gött, Hartmut Krink und Gernot Walther drei gleichberechtigte 1. Vorsitzende gewählt. Die Positionen der beiden stellvertretenden Vorsitzenden entfielen damit.

Von 2009 bis 2011 waren Dr. Michael Bergmann, Christian Largent und Gernot Walther 1. Vorsitzende, 2011 trat Dr. Udo Wahl an die Stelle von Gernot Walther.

„SeligenstadtverWALDung“ fördert Kunstforum und städtisches Grün

Seit Dezember 2011 läuft das Projekt „SeligenstadtverWALDung“ nach einer Idee von Günter Henrich. Hiernach werden auch künftig Sponsoren für einen Baum gesucht, der im Stadtgebiet von Seligenstadt gepflanzt wird. Vom Spendenbetrag von 999 € fließt der Hauptanteil in Pflanzung und Pflege des Baumes und ein Teil dient der Förderung des Kunstforums. Der Spendenbetrag ist steuerlich absetzbar. Nähere Auskunft: Annemarie Pötzelberger, Tel. 06151 784217.

2013 waren Dr. Michael Bergmann, Dr. Udo Wahl und Michael Till zu 1. Vorsitzenden gewählt worden. Der tragische Tod von Dr. Bergmann zu Pfingsten 2013 hinterlässt eine schmerzliche Lücke im Vorstand des Kunstforums.

 

 Galerieprogramm 1987 – 2016

 

Ausstellungen

in der Galerie Kunstforum, in der Basilika, in der Kirche St. Marien, in der Gustav-Adolf-Kirche, im Foyer des Riesen, im großen Sitzungssaal des Rathauses, in der Sparkasse Langen-Seligenstadt, in der Volksbank Seligenstadt, im Schalander der Privatbrauerei Glaab, auf verschiedenen Freiflächen der ehemaligen Benediktinerabtei und im Rathaus unserer Partnerstadt Heel.
Bildende Kunst: Ausstellungen, Aktionen, Kunsterwerb für Seligenstadt, Kunstreisen

 

Theateraufführungen

im Riesen, in den Bürgerhäusern von Klein-Welzheim und Froschhausen, im St. Josefshaus, im Forum der Einhardschule, im Romanisches Haus. Tournee-Auftritte des Theaterensembles Kunstforum in Aschaffenburg, Hanau, Sprendlingen, Dietzenbach, Mühlheim, Klein-Ostheim, Egelsbach, Mainhausen.

 

Konzerte

im Riesen, in der Basilika, in der Kirche St. Marien, in der Gustav-Adolf-Kirche, im St. Josefshaus, im Bürgerhaus Froschhausen, im Schalander der Privatbrauerei Glaab, Jazztage in der Gärtnerei Löwer.
Ein breites Spektrum an Kleinkunstveranstaltungen im Schalander der Privatbrauerei Glaab, im St. Josefshaus, im Riesen, in der ersten Galerie des Kunstforums in der Peterstraße, im evangelischen Gemeindehaus in der Jahnstraße, im Forum der Einhardschule, im Winterrefektorium der ehemaligen Benediktiner Abtei.

Kinderveranstaltungen

im St. Josefshaus, im Riesen, im Forum der Einhardschule

 

Lesungen

in der Galerie Kunstforum, im Romanischen Haus, im Riesen, im evangelischen Gemeindehaus in der Jahnstraße, im Schalander der Privatbrauerei Glaab, im Winterrefektorium der ehemaligen Benediktiner Abtei Autohaus Heberer, Gärtnerei Stenger.

 

Workshops

im evangelischen Gemeindehaus in der Jahnstraße, in der Einhardschule.

 

Open-air-Veranstaltungen

am Palatium, auf dem Innenhof der Privatbrauerei Glaab und des Seligenstädter Rathauses, auf dem Hof hinter der Galerie Kunstforum, auf dem Hof Luisenstraße 10 in Froschhausen